Wie jetzt? Murmelsport?
Natürlich! Das alte Kinderspiel wird seit 1996 deutschlandweit als Wettkampf betrieben. Murmelspiele dienen traditionell der Kommunikation zwischen Menschen jeden Alters, jeder Hautfarbe, Sprache, Religion und Weltanschauung.
Sie sind sehr schnell zu erlernen, müssen von Mal zu Mal verhandelt werden, sind billig in Anschaffung und Betrieb und lassen sich fast überall spielen.
Meist sollte man dabei eigene Murmeln einsetzen und damit gewinnen oder verlieren können, das erhöht den Reiz.
Dabei wird in 2 Kategorien gespielt, dem Englischen Ringspiel und dem Deutschen Lochklickern.
Englisches Ringspiel:
Dabei geht es darum, 49 kleine Murmeln, die auf einer sandbestreuten, kreisrunden Betonplatte von 1,83 m Durchmesser liegen, herunterzuschiessen. Zum Schuss benutzt der Spieler eine etwas größere Murmel, den "Tolley", und eine ausgefeilte Schusstechnik mit dem Daumen.
Zwei Mannschaften zu je sechs Spielern stehen sich gegenüber. Sieger ist die Mannschaft, die zuerst mehr als die Hälfte (25) Murmeln heruntergeschossen hat.
Deutsches Lochklickern
Im Deutschen Lochklickern
versuchen immer 2 Spieler, jeweils 3 Murmeln in ein Loch einzuwerfen, doch zählt dabei nur, wer die letzte Murmel einlocht.
Im Mannschaftswettkampf stehen sich Teams zu je 4 Spielern gegenüber.
Es gibt lokale, regionale und deutschlandweite Wettkämpfe.
Bei regionalen Meisterschaften wird oft auch das Deutsche Tischmurmeln gespielt. Dazu wird eine runde Tischplatte mit einem Rand versehen und in der Mitte mit Teppichboden beklebt. Es spielen Mannschaften zu 4 Spielern mit 63 Murmeln, die vom Tisch zu schnippen sind. Jeder Spieler hat immer nur einen Schuss pro Runde.
Die Ausrichtung der Deutschen Meisterschaft (meist im Sommer) wird vom Deutschen Murmelrat vergeben, der aus den Vertretern der jeweils anwesenden Mannschaften besteht.
Die ausrichtenden Vereine führen neben den Hauptwettkämpfen meist auch Besucherwettkämpfe durch, in denen viele klassische Murmelspiele gezeigt werden.
Murmel-Weltmeisterschaft in Tinsley Green, UK
Jedes Jahr am Karfreitag treffen sich die besten Murmelspieler der Welt, oder wenigstens die aus Sussex und Surrey, in dem kleinen Flecken Tinsley Green, direkt am Londoner Flughafen Gatwick gelegen. Der Greyhound-Pub ist eines der fünf Häuser, aus denen der ganze Ort besteht.
Dort werden seit Menschengedenken die "Britischen und Weltmeisterschaften im Murmelspiel" ausgetragen.
Die Legende sagt, daß dort zu Zeiten der Königin Elisabeth I. eine Jungfrau lebte, so schön, daß gleich zwei Burschen sich in sie verliebten. Also mußte ein Wettkampf ausgetragen werden um die Gunst der Schönen Maid zu gewinnen. Doch ob Steinwurf, Wettlauf oder Stockkampf, beide waren einander ebenbürtig, und kein Sieger war zu ermitteln. Ratlosigkeit machte sich breit, denn wenn ein Mädchen so schön ist, muß man es verheiraten, sonst gibt es Ärger!
Endlich sprach ein Bauer: "So laßt sie doch murmeln, dabei gibt es immer einen Sieger!"
Gesagt - getan, die beiden bestritten ein Murmel-Match, der Sieger bekam die Maid, und der Greyhound-Pub seine Tradition. Seit dieser Zeit wird dort am Karfreitag ein Murmelwettstreit ausgetragen.
Andere sagen, dieses Datum sei der Beginn der Frühjahrsbestellung, und die Bauern würden von altersher vor der Aussaat Samen oder Kartoffeln über das Feld rollen, um sie "aufzuwecken".
Heute jedenfalls ist der Karfreitag der letzte Tag und der Höhepunkt der britischen Murmelsaison, die stets am Aschermittwoch beginnt.
Um Jungfrauen wird heute allenfalls noch symbolisch gekämpft, nämlich wenn die Moriskentänzer der Rumplin Drumskins die WM begleiten. Der Sieger im Murmelsport erhält einen Wanderpokal, der 6 Pint Bier faßt. Früher wurde dieser Pokal voll vergeben, und die zweitplazierte Mannschaft mußte das Bier an Ort und Stelle austrinken. Heute wird davon abgesehen, doch Bier erhält der Vizemeister noch immer, allerdings in Büchsen.
Seit 1995 sind Beobachter aus Deutschland dabei, und seit 1997 spielen deutsche Mannschaften regelmäßig mit. Im Jahr 2002 ging der Pokal erstmals nach Deutschland, zu den "Saxonia Globe Snippers" aus Chemnitz, und die Sportler vom benachbarten "1.MC Erzgebirge" stellten mit Benny Mehnert sogar den Individual Champ. 2003 und 2004 gab es ein rein deutsches Finale, und auch der beste Einzelspieler kam mehrmals aus Sachsen.
Im Jahr 2006 haben die Sportler vom 1. MC Erzgebirge den Titel gewonnen, Gabi Mühlisch vom Saxonia Globe Snippers ist beste Spielerin, und nur Darren Ray von den 49ers konnte die Ehre der Briten verteidigen.